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Mo, 25. - Fr, 29. Juli 2022:
Weben an der elektronisch gesteuerten Jacquardwebmaschine

Es ist ein faszinierender Moment, wenn ein Design, das man selber am Computer erarbeitet hat, zum ersten Mal auf einer professionellen Webmaschine produziert wird! Das Tempo, die Lautstärke, die Vibration der Maschine wirken wie ein Sog, das Muster wird nach nur wenigen Minuten sichtbar und man erahnt sofort die vielen Möglichkeiten, die mit dieser Technologie in relativ kurzer Zeit ausprobiert werden können.
Für Gestalter/innen, Handweber/innen oder Künstler/innen gibt es nur wenige Orte, an denen diese Erfahrung gemacht werden kann, wenn man nicht gerade für eine Textilfirma tätig ist. Dabei steckt gerade in der engen Verschränkung von Entwicklungs- und Herstellungsprozess ein großes Potential. Da bei der Jacquardweberei die Kettfäden individuell ausgehoben werden können, sind sehr freie und unterschiedliche Ideen realisierbar. Wenn man versteht, wie Gewebe aufgebaut sind und wie die Maschine tickt, wird durch das Wechselspiel zwischen Idee, Material und Technik das gesamte Verständnis für textile Gestaltungsprozesse beeinflusst und erweitert.

Genau für diese Zwecke steht im Textilen Zentrum Haslach eine elektronisch gesteuerte Jacquardwebmaschine zur Verfügung, und es sind auch die entsprechenden CAD-Anlagen zur Entwicklung der Muster und Erstellung der Webdateien vorhanden.
Das Equipment stammt ursprünglich aus der ehemaligen Haslacher Textilfachschule und wurde 2011 ins Textile Zentrum Haslach übersiedelt, wo es seither zur Herstellung von Produkten, bei Kooperationsprojekten und Blocklehrveranstaltungen verschiedener Universitäten und Bildungseinrichtungen zum Einsatz kommt. In den letzten Jahren konnten viele Studierende bei der Entwicklung von individuellen Stoffen an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Gestaltung und technischer Umsetzung begleitet und reichliche Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt werden.

Ziel der Experimentierwerkstatt im Juli 2022 ist es, das professionelle Equipment und die erworbene Kompetenz in der Begleitung nun auch einer ausgewählten Gruppe von individuellen Personen zur Verfügung zu stellen, die ebenfalls eine eigene Idee an einer Jacquardwebmaschine realisieren möchten.

Angesprochen sind Personen mit web- bzw. bindungstechnischem Vorwissen, die ein konkretes künstlerisches oder designorientiertes Projekt angehen möchten. Im Vordergrund stehen der Entwicklungsprozess, das Experimentieren mit verschiedenen Materialien und Bindungen, sowie der Austausch in der Gruppe über Konstruktionen und Konzepte. Es gilt die Möglichkeiten der Industriemaschine auszuloten, aber auch ihre Grenzen zu akzeptieren, denn die Maschine ist weniger flexibel als z.B. ein Handwebstuhl. In den fünf Tagen werden keine großen Metragen produziert, sondern forschend die gestalterischen Potentiale dieser faszinierenden Technologie ergründet.
So können kleine Kollektionen entstehen, konkrete Produktideen ausprobiert oder freie künstlerische Ideen realisiert werden. Jede/r ist aufgefordert, das eigene Thema abzustecken und zeitlich zu planen. Das Ergebnis der Experimentierwerkstatt sind Rohgewebe, also Stoffe, die nicht ausge-rüstet sind. Es ist daher zu berücksichtigen, dass die Stoffe im späteren Gebrauch eventuell nicht allen Anforderungen des Alltags optimal standhalten.

Die Jacquardwebmaschine im Textilen Zentrum Haslach hat eine Webbreite von 165 cm und webt 3 Rapporte à 55 cm nebeneinander. Sie ist mit einer Kette aus Tencel (einer ökologischen Regeneratfaser der Fa. Lenzing) in Off-white mit 48 Fäden pro cm bestückt. Als Schussmaterial stehen im Textilen Zentrum Haslach eine Vielzahl an Garnen in verschiedensten Farben, Stärken und Materialitäten zur Verfügung. Es können auch eigene Schussgarne mitgebracht werden (sofern sie maschinentauglich sind). Die digitalen Dateien werden in dem CAD-Programm ARAHNE erstellt, das auf 6 Arbeitsstationen im Textilen Zentrum Haslach vorhanden ist.

Der gesamte Entwicklungsprozess ist eingebettet in die Infrastruktur des Textilen Zentrums Haslach. Neben der Handweberei mit den CAD-Anlagen, der mechanischen Weberei und dem Materiallager können die Teilnehmer/innen nach Absprache auch das Webereimuseum, das Textile Archiv oder die Bibliothek als Inspirations- und Arbeitsorte nutzen.

Die Teilnahme an der Experimentierwerkstatt war nur mit einer Bewerbung möglich. Aus den Einreichungen wurden 6 junge Designerinnen bzw. Künstlerinnen ausgewählt, die in der Woche spannende Gewebe entwickelten.

Teilnehmerinnen:
Lisa Palm
Charlotte Karin Bull
Laura Fügmann
Jojo Shone
Tomoyo Tsurumi
Mona Reich

Kursleitung: ELISABETH STÖTZLER und ANDREAS SELZER